Hans-Jürg Meier, 22.12.1964 - 1.12.2015

Hans-Jürg Meier, Komponist und langjähriges GNOM-Vorstandsmitglied ist
am 1. Dezember unerwartet gestorben. Sein plötzlicher Tod ist ein grosser
Verlust. Wir haben in Hans-Jürg Meier einen Mitarbeitenden und Freund
verloren, der uns mit seiner herzlichen, direkten, differenzierten und
tatkräftigen Art über die Jahre hinweg begleitet hat.

Hans-Jürg Meier war seit 2009 organisatorisch und Programme gestaltend
bei GNOM tätig. Seine Aktivitäten haben GNOM in den letzten Jahren
entscheidend mitgeprägt und nachhaltige Spuren hinterlassen.
Sein künstlerisches Schaffen umfasste neben seinem kompositorischen
Werk unter anderem auch Improvisation und Installation.


GNOM Baden, Dorothea Rust und Philipp Meier



Hans-Jürg Meier, Komponist

Hans-Jürg Meier, 1964 geboren, wuchs in Rüschlikon ZH auf. Von 1989-94 studierte er
Blockflöte bei Conrad Steinmann an der Schola Cantorum Basiliensis, und von 1990-1995
Komposition bei Roland Moser an der Musikhochschule Basel. Verschiedene Meisterkurse
ergänzen seine Ausbildung.
Als Instrumentalist spielt er hauptsächlich Konzerte mit Neuer Musik und war Mitglied
im Blockflötentrio Six hands (1994-99). Seit 1998 beschäftigt er sich mit frei
improvisierter Musik. Er spielt regelmässig im Duo mit Christoph Schiller (Klavier),
welches sich mit Margarete Huber (Stimme) und Markus Wettstein (Metallobjekte und
Melodica) zum Quartett babels besen ergänzt, das im Jahr 2001 mit den Preis Marguerite de
Reding des Schweizerischen Tonkünstlervereins ausgezeichnet wurde.

Als Komponist schreibt Hans-Jürg Meier Auftragswerke für Instrumentalensembles und Chor,
so für das Trio Lepic, das Collegium Novum Zürich, den Europäischen Musikmonat 2001
Basel, die Schola Cantorum Basiliensis, das Arte Quartett und das absolut trio.
Das Saxophonquartett nodo wurde an den World Music Days 2005 in Zagreb aufgeführt.
Klangperformances und Klang installationen (z.B. für das Kunstprojekt Helle Nächte in
Binnigen-Bottmingen-Reinach, das Helmhaus Zürich und die Ottilien-Kapelle in Balsthal)
ergänzen die kompositorische Arbeit.
Von 1997 – 2001 arbeitete er im Kaskadenkondensator im Warteck Basel (Raum für Musik,
Performance und Kunst) mit. Daraus entstand das nun in der Gare du Nord Basel beheimatete
Festival für improvisierte und komponierte zeitgenössische Musik, in dessen Leitung Hans-
Jürg Meier bis 2004 mitwirkte. Nach Chorleiterkursen bei Karl Scheuber und Stephan Simeon
besuchte Hans-Jürg Meier Dirigierkurse bei Tsung Yeh an der Musikhochschule Zürich und
leitete von 1997 – 2004 die banda di voci, ein Vokalensemble mit 15 SängerInnen,
und von 2002 – 2006 den Capriccio-Chor Birsfelden.

Hans-Jürg Meier war für das akademische Jahr 2004/05 Mitglied des Istituto Svizzero di
Roma und weilte im Herbst 2006 für einen Arbeitsaufenthalt im Spazio Culturale Svizzero
des ISR in Venedig.
Im Jahr 2008 erhielt er einen Kompositionsauftrag der Pro Helvetia für das abendfüllende
Stück annunciazione; ánemos – vom wehen des windes im vorhang.

In Hans-Jürg Meiers Komponieren gewinnen Übersetzungen aus der Architektur zunehmend
an Bedeutung. Zum einen ist in beiden Künsten die Kraft der Vorstellung von grundlegender
Wichtigkeit, zum anderen hantieren beide mit ganzheitlichen Formerfindungen, die sich in
der Zeit oder/und im Raum entfalten.
Im Bestreben, die sinnlichen Qualitäten von den Materialien der Musik (Töne, Intervalle,
Klangbeschaffenheiten) gleichsam greifbar erfahrbar zu machen, verpflichten sich seine
Kompositionen dem Zusammenwirken von Natur, Form und Schönheit.



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